Global Challenges 2016

 

Global Challenges: Planetary Boundaries

 

Veranstalter:

Kurt Michel/ PIXELIO
Kurt Michel/ PIXELIO

Die Ringvorlesung ist ein gemeinsames Projekt der drei interdisziplinären Studienschwerpunkte: Wissenschafts- und Technikforschung: Normen, Ambivalenzen, Gestaltungsoptionen (NAG), Technologie und internationale Entwicklung (TuE), Umweltwissenschaften (UWS), und wird im Sommersemester 2016 unter der Federführung von UWS organisiert.

Inhalt:

F. Pharand-Deschênes /Globaïa
F. Pharand-Deschênes /Globaïa

Die Ringvorlesung „Planetary Boundaries“ stellt das naturwissenschaftliche Konzept planetarischer Grenzen vor, beleuchtet aktuelle Aktivitäten im wissenschaftlichen und politischen Raum und stellt unterschiedliche Standpunkte auf mögliche planetarische Grenzen aus umweltwissenschaftlicher und gesellschaftswissenschaftlicher Sicht vor.

Hintergrund

Die große Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung besteht darin, globale Gerechtigkeit und gleiche Chancen auf ein gutes Leben für alle Menschen zu ermöglichen, ohne dabei die natürlichen Ressourcen der Erde zu erschöpfen und die Tragfähigkeit der Umwelt zu überschreiten. Wo aber liegen tatsächlich die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten?

Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Johan Rockström (Stockholm Resilience Centre) hat sich die Aufgabe gestellt, auf der Basis naturwissenschaftlicher Befunde solche Belastungsgrenzen zu definieren. In ihrer 2009 erschienenen Veröffentlichung mit dem programmatischen Titel „Planetary Boundaries“ definieren sie neun für das System Erde essentielle biophysikalische Grenzen. Vier dieser Grenzen sind laut Einschätzung der Wissenschaftler bereits heute überschritten.

Die 2015 aktualisierte Publikation hat – und dies war auch die Intention der Wissenschaftler – erheblichen Einfluss auf die umweltpolitische Diskussion und den internationalen Nachhaltigkeitsdiskurs ausgeübt. Die UN verweist in ihrem “Global Sustainable Development Report 2013” auf die Planetarischen Grenzen und die Europäische Kommission betont den Wert des Konzeptes für politische Entscheidungsträger, um eine lebenswerte Erde zu bewahren. Einige Länder wie Schweden und die Schweiz haben bereits Konzepte erarbeitet, um die globalen Planetarischen Grenzen auf Länderebene herunterzubrechen und somit als Instrument der Politik anwenden zu können.

Gleichzeitig hat die Publikation aber eine durchaus kontroverse Debatte ausgelöst: Sind die Naturwissenschaften tatsächlich in der Lage, die globale Belastbarkeit der Umwelt als quantitative Grenzen zu definieren? Wie abgesichert sind solche Aussagen, inwieweit enthalten sie nicht nur naturwissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch gesellschaftliche Wertungen? Kann und soll sich die Politik an solchen Grenzen orientieren? Ist es methodisch überhaupt möglich, aus dem Konzept der Planetary Boundaries praktische Zielsetzungen des Umweltschutzes auf der nationalen oder regionalen Ebene abzuleiten? Schränkt der Vorschlag solcher Grenzen nicht die gesellschaftliche Debatte über die Abwägung zwischen unterschiedlichen und möglicherweise einander entgegenstehenden ökologischen und gesellschaftlichen Zielsetzungen einer nachhaltigen Entwicklung unzulässig ein?

Termin:

Dienstags: 18:05 – 19:45 (12. April 2015 – 12. Juli 2015)

Raum S2 08/ 171

Agenda:

Datum Thema Referent
12. April Planetarische Grenzen: Ein sicherer Handlungsraum für die Menschheit PD Dr. Dieter Gerten, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
19. April entfällt entfällt
26. April Nitrogen Cycles: local Impacts, global boundaries? Prof. Dr. Wim de Vries, Alterra Wageningen UR
03. Mai Die Biodiversitätskrise im Anthropozän: Wie viele Arten „dürfen“ wir noch verlieren? Prof. Dr. Nico Blüthgen, TU Darmstadt
10. Mai Planetary boundaries and earth system governance: Exploring the links Prof. Dr. Frank Biermann, Universiteit Utrecht
17. Mai Planetary Boundaries: Ein Konzept für die deutsche Umweltpolitik? Dr. Alexandra Lindenthal, Umweltbundesamt
24. Mai Die begrenzte Erde als Hortus conclusus: Folgt auf Homo faber der Homo hortensis? PD Dr. Astrid Schwarz, ETH Zurich
31. Mai Nachhaltige Entwicklung und internationale Zusammenarbeit:  Stellenwert der „Planetary Boundaries“ in der „2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung“ Anja Wucke, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
07. Juni Turning Point oder Tipping Point? Die Zwei-Grad-Grenze im Klimadiskurs Dr. Sabine Höhler, KTH Royal Institute of Technology, , Stockholm
14. Juni Frischwassernutzung im Rahmen planetarer Grenzen Stephan Lutter, Wirtschaftsuniversität Wien
21. Juni From Planetary Boundaries to Planetary Politics? Karen T. Litfin Ph.D., University of Washington
28. Juni Climate change: What does Science know? Prof. Dr. Bjorn Stevens, Direktor Max -Planck-Institut für Meteorologie
05. Juli Gesellschaftsvertrag für eine „Große Transformation“ zur Nachhaltigkeit: Konzepte und Herausforderungen Dr. Steffen Bauer, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Weitere Informationen für Studenten:

• Die Ringvorlesung gilt als Bestandteil der interdisziplinären Studienschwerpunkte (iSPs) oder kann im Rahmen des eigenen Studienfachs nach Rücksprache mit Ihrem Studienbüro anerkannt werden.

• Die Ringvorlesung ist frei wählbar für alle drei iSPs im Umfang von 2SWS/3CPs

• Leistungsnachweise werden mit der Abschlussklausur zu den Inhalten der Ringvorlesung erworben.

• Die Anmeldung erfolgt ab dem 01.03.16 über TUCaN

• Sie finden die Ringvorlesung in TUCaN unter: 13-K3-0009-vl Global Challenges: Planetary Boundaries

Kontakt und Information für Studierende:

Klausur:

Die Klausur findet am 26.07.2016 von 14:00 – 16:00 Uhr in L4 02/ 201+202 statt.

Hinweis: Die weiter unten verlinkten Artikel zu „Planetary Boundaries“ sind prüfungsrelevant.

Einführung von Johan Rockström „Von der Umwelt geleitete Entwicklung“

Quelle: TED (hier kann das Video auch mit deutschen Untertiteln angesehen werden)

Literatur:

Rockström, J., W. Steffen, K. Noone, Å. Persson, F. S. Chapin, III, E. Lambin, T. M. Lenton, M. Scheffer, C. Folke, H. Schellnhuber, B. Nykvist, C. A. De Wit, T. Hughes, S. van der Leeuw, H. Rodhe, S. Sörlin, P. K. Snyder, R. Costanza, U. Svedin, M. Falkenmark, L. Karlberg, R. W. Corell, V. J. Fabry, J. Hansen, B. Walker, D. Liverman, K. Richardson, P. Crutzen, and J. Foley. 2009. Planetary boundaries:exploring the safe operating space for humanity. Ecology and Society 14 (2): 32.

Will Steffen, Katherine Richardson, Johan Rockström, Sarah E. Cornell, Ingo Fetzer, Elena M. Bennett, Reinette Biggs, Stephen R. Carpenter, Wim de Vries, Cynthia A. de Wit, Carl Folke, Dieter Gerten, Jens Heinke, Georgina M. Mace, Linn M. Persson, Veerabhadran Ramanathan, Belinda Reyers, Sverker Sörlin. 2015. Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. Science Vol. 347.